Wie beruhigt man die Psyche und bringt das Insulin runter?

geschrieben von diva79 
Wie beruhigt man die Psyche und bringt das Insulin runter?
16. Juli 2005 11:57
Manche Leute werden dick durch falsche Ernährung, andere weil die Psyche ständig nach "Befriedigung durch Essen" schreit. Ich gehöre zur letzten Gruppe.

Ich habe realisiert, daß essen für mich "Ersatzbefriedigung" ist und ich damit die verschiedensten Emotionen unterdrücke. So hält man natürlich keine Diät durch sad smiley((

Ich bin schon länger in einer tiefenpsychologischen Gesprächstherapie - leider kriegt man da keinerlei praktische Tipps, deshalb frage ich euch:

Wie wendet man Fressanfälle ab? Wie schafft man es auch mal zu wiederstehen?

Zwei Probleme, die mit diesem emotionsbeladenen Frustessen einhergehen sind der Verlust des "Stop Buttons" - ich höre nicht auf zu essen wenn ich satt bin sondern erst wenn die Kekstüte (egal wie groß sie ist) leer ist.

Wie kriegt man sein Sättigungsgefühl zurück?

Und ein weiteres Problem: wenn sich der Körper über Jahre an große Mengen von Zucker und leeren Kohlehydraten gewöhnt fährt der Blutzuckerspiegel Achterbahn.

Wie schafft man es den Insulinspiegel zu normalisieren?

Kennt jemand gute Websites/Literatur zu den Themen? Wie seit ihr aus diesem Teufelskreis rausgekommen?
Re: Wie beruhigt man die Psyche und bringt das Insulin runter?
16. Juli 2005 16:36
Hallo.
Eine sehr gute Frage. Es würde mich auch interessieren.
Danke und herzliche Grüße
Charlotte





Beginn: 19.06.2006 Größe 1,65 m, Alter 39
Re: Wie beruhigt man die Psyche und bringt das Insulin runter?
16. Juli 2005 17:56
Hi Diva.

Also ich kenne dein Problem mit unkontrollierten Essanfällen, nicht mehr aufhören können etc. sehr gut. Bei mir ist es auch nicht beim Essen geblieben, sondern hat sich zur Bulimie entwickelt. Bzgl. aller Arten von Esstörungen finde ich hungrig-online.de sehr gute Seiten. da gibt es Foren und Infoseiten.
Mir ganz persönlich hat es sehr geholfen mit meiner Familie und meinem Partner darüber zu reden. Wir haben dann verabredet, dass wir regelmäßig zusammen Essen (was wg unterschiedlicher Tagesabläufe ein wenig eingeschlafen war) und ich zwischen den Mahlzeiten nicht mehr esse. Ich praktiziere dass auch noch nicht lange genug um zu sagen ich bin geheilt (das wir man wohl nie ganz) aber ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich mich daran gewöhnen kann und nicht ständig esse. DIe ersten Tage waren hart und ich hab sie nur überstanden indem ich unter ständiger "Aufsicht" durch meinen Partner war und meist an Orten an den man nicht isst/essen darf (Bibliothek oder ähnliches). Mir hilft auch Kaugummikauen allerdings nur wenn ich will. Ich habe Schokolade erstmal ganz gestrichen aus Angst wieder nicht aufhören zu können. Ich zähle mir jeden Tag zehn bis zwanzig Gummibären ab, die ich mehr wie Bonbons lutsche. Rosinen sind auch gut wenn ich mal was Süßes brauche. Mit der Portionsgröße orientiere ich mich jetzt immer an den Leute die mit mir Essen und ich esse wenn es sich vermeiden lässt nicht mehr allein, nicht mehr vor dem Fernseher oder lesend, sondern bewusster.
Ich denke, da du schon in GEsprächstherapie bist werden sich deine Probleme dort hoffentlich lösen lassen und dann sollte das Essen auch an Bedeutung verlieren. Generell ist das Lernen durch Nachahmen aber denke ich eine gute Sache um wieder ein eigenes Gefühl für Hunger zu bekommen. Wichtig ist denke ich auch wenn du dir vornimmst zwischen den Mahlzeiten nciht zu Essen keine "Angst" vor Hunger zwischendurch zu haben und deshalb mehr zu essen. Ich habe beobachtet, dass die meisten Menschen die "normal" essen, erst darüber nachdenken wann und was sie essen wollen, wenn sie wieder Hunger haben, ich habe das imer shcon minutiös am Tag vorhergeplant (und mich dann natürlich nie daran gehalten...). In D. ist es eigentlich immer möglich etwas zu Essen zu bekommen, wenn man unterwegs ist und daheim sowieso. Wichtig ist für mich dass die Gedanken nciht mehr ständig darum kreisen (dann hat man glaube ich auch weniger Hungergefühl).
Zuguter letzt der alte Wassertrinktip. Also ich trinke noch mehr als früher. Das hilft zwar nicht langfristig gegen Hunger, aber wenn es mehr Lust aus Langeweile oder weil man gerade unangenehme Aufgaben zu erledigen hat ist kann es wirken. Mir hilft da Cola light auch, weger der vielen Kohlensäure. Gegen Durst trinke ich fast nur leicht bizzliges Wasser.
Das ist jetzt ganz schön lang geworden und auch kein Patentrezept, aber einige DInge die mir aufgefallen sind. Und mir fällt noch was auf, was aber auch sehr individuell ist: mir fällt es leichter die erste Mahlzeit hinauszuzögern und mein Essen später am Tag zu verteilen. Wenn ich frühstücke habe ich meist MIttags genauso viel Hunger (wenn auch eine Stunde später) als wenn ich nichts/ nur eine Banane esse und Tee trinke. Aber das allerwichtigste war (und ist teilweise immer noch) für mich die Kontrolle durch andere. Die hällt mich von FA ab, das wäre mir zu peinlich in aller Öffentlichkeit...
Ok, jetzt ist wirklich Schluss, aber ich hoffe du bekommst das Essen und vor allem deine tieferliegenden PRobleme in den Griff. Man füht sich soviel besser dann!!!!
lG und ein schönes WE

cygne
Re: Wie beruhigt man die Psyche und bringt das Insulin runter?
17. Juli 2005 11:42
Hi Du,

die Sache mit dem Blutzuckerspiegel habe ich folgendermassen in den Griff bekommen:

3 Tage versuchen die Kohlenhydrate soweit als möglich zu vermeiden. Danach wieder mit vernünfigen, vollwertigen Khs anfangen. Zucker und Weizenmehl vermeiden, Schokolade nur NACH dem Essen, nicht zwischendurch..

Hart aber es lohnt sich echt

Sandy



Wir sind was wir denken-ich bin schlank!!
Re: Wie beruhigt man die Psyche und bringt das Insulin runter?
17. Juli 2005 12:27
Hallo Diva,

gerade wenn psychologische Ursachen mit reinspielen, ist es natürlich schwer Tips zu geben. Ich hab auch ehrlich gesagt keine Erfahrung mit solchen Problemen, so dass das was ich schreibe sicher theoretisch ist und ich nicht weiss, wie jemand dies mit entsprechenden Problemen umsetzen kann.
Aber ich schreib trotzdem mal auf, was mir so einfällt, vielleicht hilft Dir ja das eine oder andere oder gibt einen Anstoß:

Wenn Du Schwierigkeiten hast, aufzuhören, bis die Tüte leer ist, die Tafel Schokolade auf ist etc. empfiehlt es sich kleine Portionen zu kaufen. Es gibt ja auch kleine Tafen Schokolade (zb bei Aldi), kleine Kekstüten etc. Dann isst Du zwar immer noch eine Tüte Kekese, eine Tafel Schokolade etc. aber im Endeffekt weniger.

Der nächste Punkt ist und geht in dieselbe Richtung, dass Du dir Deine Mahlzeiten so zubereiten solltest, dass es optisch nach viel aussieht und sie bereits auf dem Teller angerichtet ist. Ich habe letzens erst von einer Studie gelesen, in der nachgewiesen wurde, dass das Sättigungsgefühl auch über optische Reize ausgelöst wird (http://www.aerztezeitung.de/docs/2005/04/06/061a0408.asp?cat=).

Das kann man sich doch zunutze machen. Man füllt sich von Anfang an, die Menge die man essen möchte auf den Teller, verteilt sie so, dass es optisch auch nach viel aussieht (so dass man nicht denkt, ich darf nur so wenig essen) und issta dann diese Portion auf.

Was ich auch für wichtig erachte (und was damit ja auch zusammenhängt), ist, dass Du bewusst isst. Also nicht mal soeben zwischendurch, halb im Stehen, nebenher fernsehguckend, sondern Dir für Deine Mahlzeit wirklich Zeit nimmst und sie auch genießt. Außerdem solltest Du dich bemühen langsam zu essen, ggf. Dir wirklich vornehmen jeden Bissen (zB 30 x) zu kauen, bevor Du ihn runterschluckst.
Gerade wenn man bewusst und langsam isst, ist die Chance auch größer, zu merken, wenn man satt isst.

Und ganz wichtig ist, dass Du einsiehst, dass Essen grundsätzlich nichts Schlimmes ist und Du nicht beijedem Bissen ein schlechtes Gewissen haben musst! Essen ist erstens zur Erhaltung der Lebensfähigkeit notwendig und zweitens ein Stück Lebensqualität, dass jedem zusteht!

Wenn ich hier so einige Beiträge verfolge, habe ich immer das Gefühl, dass viele dieser Fressatacken einfach daraus resultieren, dass die Leute sich bis "zum geht nicht mehr" kasteien und weder Psyche noch Körper dies mitmachen. Und dann schlagen sie halt unkontrolliert ins Gegenteil (=Fressatacke) um.
So nach dem Motto, jetzt hab ich schon gespündigt, jetzt kommt es auch nicht mehr drauf an, dann ess ich halt noch anderes "Verbotenes" und ab morgen gibt es dann wieder gar nichts mehr.

Daher glaube ich, dass es wichtig ist, dass man das Essen selber und auch einzelene Lebensmittel nicht verteufeln sollte und diese auch ohne schlechtes Gewissen essen darf.

Ich glaube wenn man an dem Punkt ist, dann kann man auch sagen, heute hab ich eigentlich schon genug gegegessen, Schokolade esse ich heute nicht mehr, sondern morgen.

Und das ist doch schon ein wesentlicher SChritt zur vernünftigen und ausgewogenen Ernährung ohne unkontrollierte Fressanfälle!


Tja das ist das was mir dazu einfällt, sozusagen als Laie.

Ich wünsch Dir jedenfalls, dass Du dein Problem bald in den Griff bekommst!

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